„Der Stoff aus dem wir sind“ – eine Buchempfehlung

Irgendwann entstand in der Wissenschaft der Glaube, wir könnten die Natur bis in kleinste Teilchen (Atome) zerlegen und danach prinzipiell alles wie mit LEGO-Steinen wieder neu zusammensetzen. Und so die Welt verstehen. Ein großer Irrtum, wie sich herausstellt; denn in der Welt der Elementarteilchenphysik gibt es, wenn man tief in sie eindringt, irgendwann keine Teilchen mehr, sondern nur noch Energiefelder und Aufenthaltswahrscheinlichkeiten, die miteinander in Beziehung stehen. Selbst dort müssen wir erkennen: Alles hängt miteinander zusammen und beeinflusst sich gegenseitig.

Fabian Scheidlers „Der Stoff aus dem wir sind“ (Piper Verlag, München) gibt es nun auch als Taschenbuch. Er beschreibt darin sehr einprägsam und nachvollziehbar, welche Konsequenzen sich aus diesen Erkenntnissen ergeben. Eine der wichtigsten ist, dass wir Teil der Natur sind, eben nicht über ihr stehen, sondern untrennbar und unauflösbar mit ihr verbunden sind. Es gilt den Graben zwischen Natur und Menschheit, zwischen Natur und Zivilisation in unserem Denken zuzuschütten. Sich über die Natur zu erheben und sie als reine Rohstoff- und Nahrungsquelle für den Menschen anzusehen, das hat entscheidend zu den Verwerfungen, die wir gerade in Form z.B. des Klimawandels oder des Artensterbens erleben müssen, beigetragen. Wir sitzen hier kollektiv der „technologischen Ideologie“ auf, wie Scheidler es nennt. Diese „technologische Ideologie“ der Beherrschbarkeit der natürlichen Prozesse durch den Menschen ist tief in uns verwurzelt, weil seit Generationen entwickelt. So etwas wie Leben erschaffen, das wird selbst künstlicher Intelligenz nicht möglich sein. Elektronische Simulationen – ja, aber Leben – nein! Stellen Sie sich z.B. nur eine einzige Zelle vor, ein Wunderwerk an selbstorganisierten Prozessen und Strukturen. Wenn wir diese Zelle unter dem Mikroskop beobachten, so verhält sie sich nicht statisch wie in der Abbildung im Biologie-Lehrbuch, sondern nicht weniger als 10 Billionen (!) Moleküle rasen in ihrem Innern kreuz und quer durch den Raum, mit einer Aufgabe: Die Zelle am Leben zu halten.

Alle diese Erkenntnisse der modernen Wissenschaften haben bisher kaum Eingang in unser Alltagsdenken, nicht mal in unsere Schulbücher gefunden. Deshalb empfehlen wir das Buch gerade jetzt zum neuen Schuljahr allen Schülerinnen und Schülern höherer Klassen zur Lektüre.

Also, auf zu Utes Bücherstube und eintauchen in den Stoff, aus dem wir sind! Eine faszinierende Welt erwartet euch.

Viel Vergnügen wünscht
Winfried Plesch (für die Schriesheimer Ökostromer)